Adomnan, Abt von Iona

Gedächtnis: 23. September
Der heilige Adamnan, auch Adomnan oder Adomnán genannt, wurde um das Jahr 624 in Irland geboren und entstammte dem Cenél Conaill, jenem Geschlecht, dem auch der heilige Columba von Iona angehörte. Als sein Vater wird Ronan genannt. Seine Herkunft wird mit dem Gebiet des heutigen County Donegal verbunden. Über seine Jugend und die Anfänge seines monastischen Lebens sind nur wenige sichere Nachrichten erhalten. Er erhielt jedoch eine für seine Zeit außergewöhnlich umfassende Bildung und erwarb eine tiefe Kenntnis der Heiligen Schrift. Schließlich schloss er sich der vom heiligen Columba gegründeten monastischen Gemeinschaft von Iona an.
Im Jahre 679 wurde Adamnan zum neunten Abt von Iona gewählt und trat damit an die Spitze der weitverzweigten Gemeinschaft der Columbanischen Klöster. Als Nachfolger des heiligen Columba übte er nicht nur geistliche Autorität über seine Mönche aus, sondern gewann auch erheblichen Einfluss in Irland, im westlichen Schottland und in Northumbria. Seine Zeit als Abt war von zahlreichen Reisen geprägt, durch die er zwischen den kirchlichen und politischen Zentren der britischen Inseln vermittelte.
Eine besondere Beziehung verband Adamnan mit König Aldfrid von Northumbria. Nach einem northumbrischen Kriegszug gegen Irland gelang es Adamnan bei einer Reise nach Northumbria im Jahre 686, die Freilassung von sechzig irischen Gefangenen zu erwirken und sie in ihre Heimat zurückzuführen. Auch später hielt er Verbindung zum Hof Aldfrids und reiste erneut nach Northumbria.
Während seiner Aufenthalte dort kam Adamnan auch mit Ceolfrith, dem Abt von Wearmouth und Jarrow, in Berührung. Dieses Zusammentreffen ist durch Beda Venerabilis besonders wertvoll überliefert. In seinem von Beda bewahrten Brief an den Piktenkönig Nechtan erinnert sich der heilige Ceolfrith persönlich an Adamnan und hebt dessen außerordentliche Weisheit, Demut und Frömmigkeit in Wort und Lebensführung hervor. Ceolfrith sprach mit Adamnan über die unterschiedliche Berechnung des Ostertermins und über die Form der Tonsur. Adamnan nahm daraufhin die in Rom und inzwischen auch in Northumbria gebräuchliche Osterberechnung an. Nach Beda bemühte er sich nach seiner Rückkehr, auch seine Landsleute davon zu überzeugen, und gewann viele dafür. Bei den Mönchen von Iona selbst konnte er diese Änderung jedoch zu seinen Lebzeiten noch nicht durchsetzen. Beda bezeichnet Adamnan als einen guten und weisen Mann, der in der Heiligen Schrift hervorragend bewandert war.
Adamnan trat zugleich als Friedensstifter und Verteidiger der Wehrlosen hervor. Im Jahre 697 spielte er eine entscheidende Rolle bei einer großen Versammlung in Birr in Irland, auf der die nach ihm benannte Cáin Adomnáin, die „Lex Innocentium“ oder das „Gesetz der Unschuldigen“, verkündet wurde. Dieses Gesetz sollte insbesondere Frauen, Kinder und Kleriker vor Gewalttaten und den Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen schützen. Zahlreiche weltliche und kirchliche Würdenträger übernahmen die Gewährleistung des Gesetzes. Adamnans Einsatz für Menschen, die der Gewalt anderer weitgehend schutzlos ausgeliefert waren, gehört damit zu den bemerkenswertesten Zeugnissen seines Wirkens außerhalb des Klosters.
Neben seiner Tätigkeit als Abt, Vermittler und Gesetzgeber gehört Adamnan zu den bedeutendsten Schriftstellern des frühmittelalterlichen insularen Christentums. Sein berühmtestes Werk ist die „Vita Columbae“, das Leben des heiligen Columba. Adamnan konnte dabei auf die lebendige Überlieferung seiner eigenen Klostergemeinschaft zurückgreifen und bewahrte zahlreiche Berichte über das Leben, die Prophetien, Wunder und geistlichen Gnadengaben des Gründers von Iona. Seine Vita des heiligen Columba wurde dadurch zu einer der wichtigsten Quellen nicht nur für dessen Leben, sondern auch für das monastische und kirchliche Leben Irlands und Schottlands im 6. und 7. Jahrhundert.
Ein weiteres bedeutendes Werk Adamnans ist „De Locis Sanctis“, „Über die heiligen Stätten“. Anlass dafür war die Begegnung mit dem gallischen Bischof Arculf, der das Heilige Land bereist und Jerusalem sowie weitere Orte Palästinas, außerdem Damaskus, Konstantinopel und Alexandria besucht hatte. Auf seiner Rückreise gelangte Arculf infolge widriger Umstände in den Westen Britanniens und schließlich zu Adamnan. Dieser nahm ihn gastfreundlich auf und zeichnete seine ausführlichen Berichte über die heiligen Stätten auf. Daraus entstand ein Werk in drei Büchern, das Adamnan später König Aldfrid überreichte. Beda Venerabilis schätzte dieses Werk so hoch, dass er selbst Teile daraus in seine „Historia ecclesiastica gentis Anglorum“ aufnahm und Adamnans Arbeit ausdrücklich als für viele Leser nützlich würdigte.
Adamnan verbrachte die letzten Jahre seines Lebens weiterhin im Dienst der von Columba begründeten Klostergemeinschaft und auf Reisen zwischen Iona und Irland. Trotz seiner Bemühungen erlebte er die Annahme der von ihm vertretenen Osterberechnung durch die Gemeinschaft von Iona selbst nicht mehr. Erst nach seinem Tod setzte sich diese dort endgültig durch.
Der heilige Adamnan entschlief am 23. September 704 auf Iona. Sein Gedächtnis blieb sowohl in Irland als auch in Schottland lebendig. Als Abt von Iona, geistlicher Sohn der Columbanischen Tradition, Gelehrter, Schriftsteller, Friedensstifter und Verteidiger der Wehrlosen gehört er zu den herausragenden Heiligen der Kirche der britischen und irischen Inseln. Besonders kostbar ist das zeitgenössische Zeugnis des heiligen Ceolfrith, das Beda bewahrt hat: Schon ein Mann, der Adamnan persönlich begegnet war, sah in ihm einen Menschen von außergewöhnlicher Weisheit, Demut und Frömmigkeit.
Quellen: Beda Venerabilis, Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Buch V; Adamnan von Iona, Vita Columbae; Adamnan von Iona, De Locis Sanctis; Cáin Adomnáin (Lex Innocentium); Romanian Orthodox Archdiocese of Great Britain and Northern Ireland, „Venerable Adomnan (†704) of Iona, Scotland“; OrthoChristian, „Venerable Adomnan, Abbot of Iona in Scotland“; Saints of the Isles, „Our Venerable Father Adamnan, Abbot of Iona“.
Gebete
Troparion (4. Ton)
O heiliger Adamnan, Zierde von Iona, du hast dein Leben Christus dargebracht und wurdest unter Seine Heiligen gezählt. Darum stehst du nun vor dem Throne Gottes; höre nicht auf, Fürbitte einzulegen, dass unsere Seelen gerettet werden.
Kondakion (2. Ton)
Die heilige Insel Iona freue sich heute des Gedächtnisses des seligen Adamnan; und indem wir ihn gläubig ehren, lasst uns seine Fürbitten vor Christus, unserem Gott, erflehen, auf dass wir Erbarmen und Heil erlangen.
aus dem Englischen übersetzt